Ein Mal-Besuch im Harz, eine spontane Einladung von Hahnemühle rüber in den Solling und Alexa Dilla, Malerin an Bord von Kreuzfahrtschiffen, Autorin und Dozentin, konnte sich die Künstlerpapierfabrik Hahnemühle vor Ort ansehen. Lesen Sie hier ihren Gastbeitrag über ihren Besuch in der ältesten deutschen Künstlerpapiermanufaktur.

„Eine Gelegenheit, die ich mir schon lange gewünscht habe, da ich es sehr interessant finde, die Herstellung der Materialien, mit denen man so gerne arbeitet, live zu erleben. Mich begleiten Hahnemühle-Papiere schon mein ganzes Malerleben lang.

Hahnemühle produziert seit mehr als 430 Jahren am gleichen Standort, seit dem Jahr 1584. Und diese lange Erfahrung fließt in die Aquarell- und Künstlerpapiere. Nur 100 Jahre nach Johannes Gutenberg wurden hier die ersten Papiere hergestellt – damals noch Papiere zum Beschreiben. Und heute werden ständig neue Ideen für Künstler entwickelt, zum Beispiel das Watercolour Book, von denen ich schon einige auf meinen Reisen gefüllt habe. Oder das Digital FineArt Papier ‚William Turner‘ für den Inkjet-Druck, auf dem ich meine Aquarelle reproduzieren kann. Man kann dank der Aquarell-Oberfläche, der Haptik und der Farbbrillanz kaum mein Original vom Editionsdruck unterscheiden.

Rana Ardal-Altun, Produktmanagerin, und Bettina Scheerbarth, PR, begrüßten mich sehr herzlich. Wir besprachen Ideen für neue Produkte und ich konnte die ganze Fabrikation kennenlernen.

Spannend: Die Papierproduktion

Vom reinen Quellwasser für die Papierherstellung (Papier-MÜHLE), den Fasern des Papiers, über die verschiedenen Trocknungs- und Prüf-Stufen bis zu den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten konnte ich alles erleben, Fragen stellen und viel Neues  lernen.

Zum Beispiel über die Fasern des Papieres: Ich nahm an, dass die Baumwoll-Papiere aus den weichen Fasern der Baumwoll-Blüte gewonnen werden. Weit gefehlt, es sind Linters; weiche, kurze Fasern von der Samenkapsel der Baumwollpflanze. Andere Fasern werden aus Bambus-Pflanzen gewonnen. Aber die meisten Papiere entstehen aus Zellstoffen. In großen Bottichen werden sie mit dem Quellwasser, Kreide und Stärke zu einem Faserbrei verarbeitet.

Dann geht es zur Papiermaschine. Hier werden auch, wenn gewünscht, die Wasserzeichen eingebracht.

Es folgt  die Trocknung der Papiere. Schön langsam und vorsichtig! Und natürlich musste (und durfte!) ich auch (fast) alles anfassen.

Inside Hahnemühle: Warum Hahnemühle Künstlerpapiere vegan sind

Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Hahnemühle das Aquarellpapier nicht mit tierischer Gelatine leimt, wie ein bekannter französischer Hersteller (daher der etwas komische Geruch, wenn das französische Papier nass wird). Hahnemühle Papier ist also vegan. Und auch offener in der Oberfläche, was der Farbqualität sehr guttut.

Mein neues Lieblingspapier ist das Echt-Bütten Aquarellpapier ‚William Turner‘. Ich konnte es ausprobieren. Mir kam es immer so weich vor, allerdings hätte ich auf meiner letzten Malreise in Venedig, wo es bei den Nuancen des Lichtes wirklich auf ganz feine Farbspiele ankommt, kein besseres Papier haben können. Es fasst sich weich an und macht meine Bilder noch schöner als ich es mir hätte vorstellen können.

Liebe zu den Papieren und zur Kunst – das bekommen wir Künstler in den Papieren zu spüren

Interessant waren auch die großen Zylinder mit den verschiedenen Wasserzeichen für die Bögen der Büttenpapiere. Alle Wasserzeichen der letzten Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte lagerten dort. Die Tradition des Hauses Hahnemühle kann man an jeder Ecke erleben.

Jedes Papier, das die Fabrikation verlässt, wird streng geprüft. Gibt es Unregelmäßigkeiten? Sind die Farben wie gewünscht? Ist die Haptik in Ordnung? Erst nach den strengen Prüfungen gehen die Papiere auf die Reise in die ganze Welt.

Ich konnte jeden Bereich der Papierherstellung sehen und auch die Menschen, die dort arbeiten sprechen. Ich habe deutlich gemerkt, wie stolz die Mitarbeiter auf ihre Papiere sind. Wie schön, wenn sich so ein Kreis schließt und wir mit Materialien arbeiten können, die auch wirklich mit Liebe und Stolz gemacht worden sind. Eine Wertschätzung auch für die Bilder, die wir schon gemalt haben und noch malen werden.

Ich hatte das Gefühl, an jeder Ecke, in jedem Herstellungsschritt lauert Kunst: Ist das ordentliche Falten der Restpapiere nicht ein Kunstwerk für sich? Sind die Filterpapiere für die Medizintechnik und Industrie nicht wunderschöne Papierobjekte?

Ich male gerne auf Papieren, die ich „persönlich kenne“, denn mit diesem Gefühl habe ich mich nach diesem spannenden und freundlichen Vormittag vom Hahnemühle-Team verabschiedet. Ein ganz dickes Dankeschön für die Zeit, die Herzlichkeit und die vielen Informationen. Ich nehme sie mit auf meine Reisen an Bord und Land.“

Alexa Dilla ist Künstlerin und Autorin mit der Leidenschaft für Aquarell. Mit ihrem Motto „Mal dich glücklich“, malt sie mit Teilnehmern ihrer Workshops, Malreisen und als Bordmalerin an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Mehr Motive, Tipps & Tricks und ihren Mal-Reiseblog finden Sie auf der Webseite der Künstlerin.

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