Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für die Fotografie entdeckt?
Meine Leidenschaft für die Fotografie begann mit 14 Jahren. Damals verstarb mein Onkel ganz plötzlich. Meine Mutter erbte eine Schachtel mit einigen Habseligkeiten, unter anderem eine 35-mm-Fotokamera sowie mehrere Linsen. Ich konnte die Finger nicht von der Kamera lassen. Ich nahm eine der Vergrößerungslinsen auseinander und bekam sie nicht mehr zusammen. Natürlich fand meine Mutter das heraus. Ich richtete mich auf viel Ärger ein, aber nichts dergleichen geschah. Stattdessen empfahl sie mir den Besuch eines Fotokurs um den richtigen Umgang mit der Kamera zu lernen. Und so schrieb ich mich in einen Schwarz-Weiß Kurs ein.

Forest Whitaker (c) Kwaku AlstonWie wurden Sie zum Starfotograf?
Meine Leidenschaft für die Promifotografie entstand Mitte der 90er in New York.  Meine ersten Auftraggeber waren Musikunternehmen wie Electra, DefJam und Sony Records. Meine Aufgabe war es, ihre unbekannten Hip Hop Musiker zu fotografieren. Hip Hop wurde damals Mainstream und es gab viele Aufträge für Album Shootings. Ich hatte die Ehre mit Stars wieJanelle Monáe (C) Kwaku Alston der jungen Lauryn Hill von den Fugees, oder mit Will Smith arbeiten zu dürfen. Damals noch kein weltberühmter Filmstar sondern „nur“ eine bekannte Hip Hop Größe namens „Fresh Prince“. Ihr nachfolgender Rum erleichterte mir den Einstieg in die Promifotografie. Ich nutzte den Zeitpunkt und zog von NY nach LA.

Mit welchem Ihrer Projekte/Motive gelang Ihnen der internationale Durchbruch/ der Eintritt in den professionellen Markt?
Ich bin nicht als Fine Art Fotograf bekannt, aber einige meiner Porträts, die für redaktionelle Beiträge erstellt wurden, hingen später in Museen. Unter anderem ein Profilbild von Barack Obama als junger hoffnungsvoller Präsidentschaftskandidat im Jahr 2007. Es ist  in der Dauerausstellung des Studio Museums in Harlem zusehen. Ich bin sehr stolz damit einen Beitrag für die Kunst und für die Geschichte unseres Landes beitragen zu können.

Wer hat Sie am meisten inspiriert?
Am Karriereanfang inspirierten mich Ikonen der Porträtfotografie wie Gordon Parks, Richard Avedon und Diane Arbus. Später kamen dann die Fine Art Fotografen Carrie Mae Weems, Marina Abromovic und Andreas Gursky dazu. Ich muss sagen, zurzeit ist meine größte Inspiration mein 2 1/2 jähriger Sohn Khave. Er ist pure Freude und blickt noch so schön unschuldig auf die Welt.  Alles, worauf es ihm ankommt, sind seine Mama, LkWs und Dinosaurier – und ich, wenn seine Mutter nicht in der Nähe ist. Seine Freude und Offenheit ist so erfrischend und ermöglicht mir Momentaufnahmen, die direkt aus dem Herzen kommen. Ein komplettes Portfolio an Aufnahmen dokumentiert  sein junges Leben, gemischt mit meinen Erfahrungen. Es trägt den einfachen Namen „Fatherhood“ und ist eins der freudigsten und innigsten Projekte, die ich je gemacht habe.

Wie würden Sie Ihren fotografischen Style beschreiben?
Ich werde das oft gefragt und es fällt mir schwer darauf zu antworten. Es ist einfach die Art, wie ich arbeite. Manchmal habe ich ein bestimmtes Konzept, ein Model oder eine spezielle Lichttechnik, aber eigentlich ist es mir wichtig flexibel zu sein. Wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, muss man abwarten können, wie viel sie während des Shootings bereit sind zu geben. Ich gehe die Dinge locker an und versuchen den authentischen Moment einzufangen; nicht eine Pose oder eine Idee. Ich fühle mich oft, wie ein Regisseur der eine Verbindung zu den Menschen aufbaut, um ihre Einzigartigkeit herauszufinden. Das gewisse Etwas, das nur hervortritt, wenn man auch vor der Kamera man selbst sein kann, ohne sich zu verstellen. Und wenn der richtige Moment kommt, sehe ich ihn und halte ihn fest. Genau das ist mein Job.

Was sind die Schwierigkeiten beim Fotografieren von Prominenten?
Das Schwierigste ist den Auftrag zu bekommen! Bekannte Persönlichkeiten zu fotografieren ist mehr, als nur ein gutes Bild zu liefern. Hinter jedem Prominenten steht ein großes Team von Presseberatern, Managern, Agenten und Anwälten, die alle sichergehen möchten, dass das Image des Künstlers nicht beschädigt wird. Als Starfotograf bin ich mir dessen stets bewusst und respektiere das. Die Herausforderung solch eines Shootings ist es aber, nicht nur das Image der Person zu vermitteln, deren Hand zu halten oder einfach ein schönes aber nichts aussagendes Bild zu schießen, sondern tiefer zu schauen. Ich möchte das gewisse Etwas einfangen, das was ein Foto unsterblich macht. Es gibt nichts Schöneres, als die Erwartungen zu übertreffen und ein Bild zu einer Ikone werden zu lassen.

Welche Bedeutung hat die gedruckte Präsentation bzw. Vermarktung Ihrer Kunstwerke?
Der Druck meiner Bilder ist alles für mich. Ich erinnere mich noch an die Tage, die ich in der Dunkelkammer im Rochester Institute of Technology verbracht habe. Auf den Moment wartend, wenn das Bild aus dem Entwickler kommt. Die Aufregung, die ich dabei gefühlt habe, hat mich bis heute nicht verlassen. Heutzutage präsentiere ich meine Arbeiten in gedruckter und digitaler Form. Redakteure und Kreativ-Direktoren sind oft überrascht und begeistert gedruckte Bilder zu sehen. Sie lieben, so wie ich einen Druck in den Händen zu halten. Neue Technologien sind fantastisch, aber Fotografie ist immer noch eMichelle Obama (C) Kwaku Alstonin Handwerk, und die Qualität eines Bildes erkenne ich erst, wenn  es vergrößert in 16 x 20 inch oder 30 x 40 inch an der Wand hängt.

Welches ist Ihr Hahnemühle Lieblingspapier und warum?
Zu Beginn bevorzugte ich für meine Ausstellungsdrucke und Mappen die matten FineArt Papiere Hahnemühle Museum Etching und Hahnemühle William Turner aufgrund ihrer stärkeren Struktur. Zurzeit bin ich gespannt meine Arbeiten auf FineArt Pearl zu sehen. Ein glänzendes Fine Art Papier, das ich für meine kommenden Mappen nutzen werde.

Haben Sie einen Traum von einem Motiv oder einem Projekt, das Sie gerne einmal realisieren wollen?
Mein Traum wäre es, mächtige afrikanische Politiker zu fotografieren. Mir ist bewusst, dass ich nicht nur Demokratie und Toleranz zeigen werde, aber genau das möchte ich festhalten: Die Guten und Schlechten, die Krisen und Chancen des Wandels. Ich habe Nelson Mandela vor einigen Jahren fotografiert und würde nun das Projekt gerne fortsetzen. Wenn möglich, würde ich mir dafür ein Jahr Zeit nehmen. Im Moment versuche ich Unterstützung zu erhalten, um diesen Traum zu realisieren. Neben den Porträts würde ich gerne das Projekt in einem Video festhalten und im Anschluss als Dokumentarfilm veröffentlichen.

Was planen Sie als Nächstes?
Ich finde immer wieder neue Projekte oder persönliche Arbeiten. Ich arbeite an einem Buchprojekt „Black Hollywood“, dass viele afroamerikanische Entertainer präsentiert, die ich in den letzten Jahren fotografieren durfte.  Angefangen bei Oprah über Quincy Jones bis hin zu Will Smith und Tyler Perry. Zudem arbeite ich mit Drehbuchautor Adam Kulakow und Produzent Wendy Smith an einer Dokumentation über die umfassende Umstrukturierung von Venice Beach, wo ich 15 Jahre gelebt und gearbeitet habe.

Vielen Dank für das Interview!

Kwaku Alstons Webseite finden Sie hier.

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