Es begann alles mit einem Twitter-Beitrag von Peter Braunholz: ArtSlant Photography Award, Los Angeles / USA, fürDiametral‚ erhalten, Druck auf #Hahnemühle #PhotoRag® Ultra Smooth„.
Wir nahmen Kontakt mit dem international bekannten Fotografen auf und luden ihn zu einem Interview ein. Lesen Sie mehr über seine u.a. von der Wirklichkeit inspirierten und ausschließlich auf Hahnemühle Papier gedruckten episch-großformatigen Bilder für internationale Fotoausstellungen und Sammlungen.

PBWann haben Sie Ihre Leidenschaft für die Fotografie entdeckt?
Ein besonderer Moment war eine Neuseelandreise 1999. Dort konnte ich in relativ kurzem Zeitraum in extrem unterschiedlichen Regionen foto­gra­fieren. Die entstandenen Bilder haben mir das Wesen des Mediums und die für mich wich­tigste Eigenschaft der Foto­grafie deutlich näher gebracht: ihre Fähigkeit, verbor­gene Ebenen der Wirklich­keit sichtbar zu machen.

Wie sind Sie zur Fotokunst gekommen?
Meine Eltern sind Musiker, so stand erstmal die Musik im Fokus. Ich spielte in ver­schie­denen Bands und studierte Musik, später Filmwissen­schaften. Bis Anfang der 90er Jahre war ich Live- und Studio­musiker und hatte ein festes Engagement in einem Musikverlag mit mehreren Tonstu­dios. Neben­bei studierte ich Gestaltung und Fotografie, ließ dann die Musik hinter mir und eröffnete 1993 mein erstes Atelier in Frank­furt am Main. In der Folge arbeitete ich für viele bekannte Unter­nehmen, Verlage und Bildagen­turen. Meine Begeiste­rung für die Möglichkeiten der Fotografie führten mich schließlich zur Foto­kunst. Heute würde ich sagen, dass die Beschäftigung mit musika­li­schen Ausdrucksformen, mit Rhythmus und Komposition, auch im bewegten Bild, eine geeignete Basis für fotografische Arbeit ist.

Mit welchem Ihrer Motive gelang Ihnen der Eintritt in den professionellen Markt bzw. der internationale Durchbruch?
Meine damalige Kölner Galeristin Caren Jones zeigte ab 2008 zum Beispiel die Serien „boy you turned me“ und „undercover“ in Ausstel­lungen mit Arbeiten international renommierter Kollegen wie Andreas Gursky, Thomas Ruff und Vik Muniz sowie auf Kunstmessen im deutschsprachigen Raum. Es folgten zahlreiche Ankäufe von Unternehmen und privaten Sammlern, beispielsweise von der Mezzanin Stif­tung für Kunst in Liechtenstein, die eine der weltweit bedeutendsten Kunstsammlungen besitzt. 2013 erhielt ich auf Empfeh­lung der Kuratorin Juan Xu ein Stipendium des Huantie Times Art Museums in Peking inklusive Lekto­rat an der Luxun Academy of Fine Arts in Shenyang. Insgesamt verbrachte ich drei Monate in China. Seitdem ergeben sich vermehrt internationale Präsentationen, zuletzt in Zürich, Miami, Los Angeles, Venedig und Paris. Für 2016 ist eine Ausstel­lung in New York geplant. Fest vertre­ten bin ich im Programm der Galerie Wesner in Konstanz, die meine Arbeiten regelmäßig auf der Art Karlsruhe und der Kunst Zürich zeigt, bei der Galerie Julia Philippi in Heidelberg und ab Juli 2015 auch bei Petra Becker International Art Bridge in Frankfurt am Main.

Haben Sie ein Idol in der Fotografie oder wer hat Sie am meisten inspiriert?
Mich inspiriert vor allem die Wirklichkeit. Aber es gibt natürlich viele Künstler, deren Arbeiten mich anspre­chen und sicherlich auch in der einen oder anderen Form beinflussen. Ellsworth Kelly, Otto Piene, Richard Serra, auch Musiker wie Steve Jansen und Eumir Deodato oder die Filmemacher Stan Brakhage und Jonas Mekas gehören dazu. Bei den Foto­grafen Albert Renger-Patzsch, Heinrich Riebe­sehl, Julius Shulman und Martin Parr. Überall dort, wo die Entwick­lung einer eigenständigen Form im Vordergrund steht, fühle ich mich besonders angesprochen.

Wie würden Sie Ihren fotografischen Stil beschreiben?
Im Kern geht es mir darum, Ebenen der Wirklichkeit sichtbar zu machen, die wir mit bloßem Auge nicht wahrnehmen können. Dabei ist es mir wichtig, mich vom jeweiligen Motiv inspirieren zu ldiametral_I_3530peterbraunholzassen, seinem Wesen möglichst nah zu kommen, und die Bilder nicht zu manipulieren oder zu inszenieren. Die Aussagen sollen authentisch sein. Der fotografische Prozess selbst ist ergebnis­offen und kann je nach Motiv variieren, und meine Bilder sollen in ästheti­scher Hinsicht auch immer wieder Neues bieten. Ein Ziel, das in der heutigen, oft politisierten Kunst leider zunehmend in den Hintergrund tritt.

Was ist das Anspruchsvollste bei der künstlerischen Fotografie? 
Einem Thema, Ort oder Motiv mit möglichst wenig Redundanz gerecht zu werden, erfordert eine Menge Energie und Einfühlungsvermögen. Zwanzig hübsche Fotografien in einheitlichem, bekanntem Stil lassen sich rasch von einem Objekt anfertigen und sehen ordent­lich gerahmt und als Tableau gehängt auf den ersten Blick immer ansprechend aus. Solche Fotoserien sieht man in Ausstel­­lungen immer wieder, Substanz sucht man darin aber vergeblich. Dagegen einige wenige oder sogar nur ein einzi­ges Bild zu schaffen, das ohne ausschweifende Begleittexte alles über ein Motiv sagt und gleichzeitig noch eine neue ästhetische Erfahrung bietet – das erfordert echte Hingabe, oft über Tage und Wochen. Und das gelingt auch nicht immer.

Welche Bedeutung hat die gedruckte Präsentation Ihrer Kunstwerke?
Nur ein Druck oder eine Ausbelichtung ist eine abgeschlossene fotografische Arbeit. Präsentationen auf Monitoren und in Katalogen sind für mich nicht mehr als Hilfsmittel und oft sehr wenig aussage­kräftig. Zur Produktion meiner Arbeiten arbeite ich seit bald 20 Jahren mit dem Foto­labor Brieke in Frankfurt zusammen und habe mein System zur Bildent­wicklung genau auf deren Anfor­derungen abgestimmt, damit sie das Maximum aus meinen Bildern herausholen.

Vor einiger Zeit habe ich mich auch dazu entschlossen, meine Arbeiten vor­erst nur noch drucken zu lassen. Zunächst empfand ich die Auflösung gerade bei sehr großen Formaten als besser, dann kam das Thema der Lichtbestän­dig­keit und Haltbarkeit hinzu, wo der Druck gegenüber der Belichtung meiner Erfahrung nach klare Vorteile hat. Und natürlich haben die druckfähigen Papiere ihre ganz eigenen Ästhetiken, die zu meinen Arbeiten immer wieder sehr gut passen.

Nicht selten fahre ich Tests mit verschiedenen Papie­ren, um das beste für eine Arbeit herauszu­finden, wie z. B. Hahnemühle FineArt Baryta und German Etching. Das sind beides wunderbare Papiere und manchmal fällt mir die Wahl nicht leicht. Unter Plexiglas arbeite ich gerne mit Hahnemühle Photo Rag® Ultra Smooth.

Sehr günstig hinsichtlich einer interna­tionalen Ausstel­lungs­­tätigkeit finde ich bei Hahnemühle übrigens, dass es deren Papiere fast überall auf der Welt gibt. So konnte ich eine Museums­austellung in Peking vor zwei Jahren komplett auf Hahnemühle FineArt Baryta direkt vor Ort realisie­ren. Ich hätte die Arbeiten ansonsten von Deutschland nach China transpor­tieren müssen. 

poolintherain_770peterbraunholzHaben Sie einen Traum von einem Motiv oder einem Projekt, das Sie gerne einmal realisieren wollen?
Ja, einige. Aber ich möchte niemanden inspirieren, etwas vorwegzunehmen 😉

Was planen Sie als Nächstes?
Joanna Szupinska-Myers, Kuratorin am California Museum of Photography, hat meine Arbeit für eine internationale Ausstellung im Los Angeles Center for Digital Art ausgewählt, die am 11. Juni 2015 eröffnet wird. Da besprechen wir gerade die Produktion. Außerdem erstelle ich ein Konzept für ein Buch über meine Arbeit, das im kommenden Jahr erscheinen soll, und bereite noch eine Arbeit für eine Präsenta­tion vor, die im Juli im Louvre in Paris gezeigt wird. Ende Oktober geht es wieder mit der Galerie Wesner auf die Kunst Zürich, auch dafür laufen schon die Vorbereitungen.

Ansonsten habe ich eine Zeit mit vielen Ausstel­lungen hinter mir, dabei sind naturgemäß nicht so viele neue Arbeiten entstanden. Daher bin ich gerade bei Recherchen für Reisen an Orte, wo ich in den kommenden Monaten Neues erarbeiten kann.

Vielen Dank für das Interview, Herr Braunholz!

Mehr von Peter Braunholz sehen Sie auf seiner Webseite www.peterbraunholz.de

Peter Braunholz´nächste Ausstellungen:

LOS ANGELES CENTER FOR DIGITAL ART: International jurierte und kuratierte Ausstellung im California Museum of Photography

MUSÉE DU LOUVRE: Exposure-Preis

Kunst Zürich ART FAIR: präsentiert von Galerie Wesner

3 Kommentare
  1. Dr.Hieb

    Peter Braunholz hat eine geradezu seherische Fähigkeit Motive finden. So sind sein Arbeiten St.Moritz im See Arbeiten, die jeden Impressionisten zur Ehre gereichen würden. Dann wieder Bilder die wie abstrakte Gemälde wirken. Die Bandbreite seiner Arbeiten ist außergewöhnlich. Die Ausstellungen in den verschiedenen Ländern (mit sicher unterschiedlichem Verständnis von Kunst) ist der beste Beweis für sein fotografisches und künstlerisches Genie.
    KPH

  2. Roman Tarnow

    Ich habe in 2016 eine sehr spannende Ausstellung von ihm in Köln gesehen inkl. Artist Talk mit dem Experten Gérard Goodrow. Die Vielfalt der Ergebnisse der fotografischen Arbeit von Braunholz schon erstaunlich – vor allem im Vergleich zu vielen seiner Kollegen, die sich im Grunde nur wiederholen. Danke für das interessante Interview hier, auf das ich gerade zufällig gestoßen bin.

  3. Bettina Scheerbarth, Hahnemühle

    Vielen Dank für Ihre Kommentare zur Kunst von Peter Braunholz, Dr. Hieb und Roman Tarnow. Wir sind sehr stolz darauf, mit ihm als Künstler zusammenzuarbeiten.

Hinterlasse einen Kommentar

Ihre Mailadresse wird nicht publiziert. Pflichtfelder sind mit * markiert.

löschenSenden